Gummibaum vermehren: So machst du aus einem Ficus zwei (oder viele)

Hast du dich auch schon dabei ertappt, wie du deinen prächtigen Gummibaum ansiehst und denkst: "Von dir hätte ich gerne noch viel mehr"? Damit bist du nicht allein. Der Ficus elastica gehört zu den beliebtesten Zimmerpflanzen überhaupt. Er sieht toll aus, reinigt die Luft und wächst oft so schnell, dass er fast schon die Decke berührt.

Genau das ist der perfekte Moment, um zur Schere zu greifen. Das Gummibaum vermehren ist nämlich gar nicht so kompliziert, wie viele denken. Es ist sogar eine der dankbarsten Aufgaben für Hobbygärtner. In diesem Artikel zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du erfolgreich Ableger ziehst und deine Wohnung (oder das Büro der Kollegen) mit kleinen Baby Ficus Pflanzen begrünt.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Gummibaum vermehren?

Theoretisch kannst du das ganze Jahr über zur Tat schreiten. Aber wenn du möchtest, dass deine Erfolgsquote bei fast 100 Prozent liegt, empfehlen wir dir das Frühjahr.

Sobald die Tage länger werden, erwachen auch pflegeleichte Zimmerpflanzen wie der Gummibaum aus ihrer Winterruhe. Der Saftstrom in der Pflanze ist jetzt am stärksten. Das bedeutet, dass Schnittwunden an der Mutterpflanze schneller heilen und die Stecklinge viel mehr Energie haben, um neue Wurzeln zu bilden. Wenn du deinen Ficus sowieso im Frühling zurückschneidest, weil er zu groß geworden ist, ist das der ideale Zeitpunkt, um das Schnittgut nicht wegzuwerfen, sondern neues Leben daraus zu schaffen.

Vorsicht klebrig: Ein wichtiger Hinweis vorab

Bevor wir schneiden, eine kleine Warnung. Der Name "Gummibaum" kommt nicht von ungefähr. Die Pflanze führt einen weißen Milchsaft, der Latex enthält. Dieser Saft tritt sofort aus, sobald du ein Blatt oder einen Stiel verletzt.

Dieser Saft ist extrem klebrig und kann auf dem Parkett oder Teppich hässliche Flecken hinterlassen, die kaum noch rausgehen. Lege also unbedingt Zeitungspapier unter. Außerdem kann der Saft die Haut reizen. Wenn du empfindlich bist, zieh dir lieber Handschuhe an. Pass auch auf, dass nichts davon in die Augen kommt.

Methode 1: Der Kopfsteckling (Die sichere Variante)

Das ist die einfachste Methode um einen Gummibaum zu vermehren.

  1. Schneiden: Such dir einen gesunden Trieb an der Spitze aus. Schneide etwa 10 bis 15 Zentimeter ab. Der Schnitt sollte knapp unterhalb eines Blattknotens erfolgen (das ist die Stelle, wo ein Blatt aus dem Stamm kommt).
  2. Entblättern: Entferne das unterste Blatt vorsichtig. An dieser Stelle werden später die Wurzeln wachsen. Der Steckling sollte oben noch mindestens ein Blatt haben.
  3. Wässern: Stell den Steckling in ein Glas mit Wasser.

Das Wasserglas hat einen riesigen Vorteil. Du kannst live dabei zusehen, wie die Wurzeln wachsen. Das ist spannender als Fernsehen. Wechsle das Wasser alle paar Tage, damit es nicht faulig wird. Nach einigen Wochen wirst du die ersten weißen Wurzelspitzen sehen.

Methode 2: Stammstecklinge (Für Kahle Pflanzen)

Oft haben wir ja das Problem, dass der Gummibaum untenherum etwas kahl geworden ist und nur noch oben Blätter hat. Oder er ist einfach viel zu lang geworden. Hier kannst du aus dem langen, kahlen Stamm viele neue Pflanzen machen.

Schneide den Stamm einfach in mehrere Stücke. Jedes Stück muss aber mindestens ein "schlafendes Auge" haben. Das ist eine kleine Verdickung am Stamm, meist dort, wo früher mal ein Blatt war. Diese Stammstücke kannst du ebenfalls ins Wasser stellen oder direkt in Anzuchterde stecken. Diese Methode braucht etwas mehr Geduld als der Kopfsteckling, funktioniert aber hervorragend, um viele Pflanzen auf einmal zu ziehen. Perfekt, wenn du deine Sammlung an Büropflanzen erweitern willst.

Ab in die Erde: Wann wird eingetopft?

Sobald die Wurzeln im Wasserglas etwa 5 bis 10 Zentimeter lang sind, ist der große Tag gekommen. Der kleine Ficus darf in sein erstes eigenes Zuhause ziehen.

Hier machen viele den entscheidenden Fehler und nehmen irgendeine alte Erde. Doch gerade die jungen, zarten Wurzeln brauchen ein Substrat, das locker ist und Luft durchlässt. Wenn die Erde zu fest und nass ist, faulen die neuen Wurzeln sofort ab und die ganze Arbeit war umsonst.

Wir haben uns diesem Thema ausführlich gewidmet und erklären dir in unserem Ratgeber über Gummibaum Erde, wie du die perfekte Mischung herstellst, damit dein Baby sofort loswächst.

Pflege der Jungpflanzen nach dem Vermehren

Nach dem Eintopfen ist dein neuer Gummibaum noch etwas empfindlich. Er hat jetzt zwar Wurzeln, aber das System muss sich erst an die Erde gewöhnen.

Stell den Topf an einen warmen, hellen Ort, aber bitte nicht direkt in die pralle Mittagssonne. Da der kleine Ficus anfangs viel Wasser über die Blätter verdunstet, hilft ein einfacher Trick. Stülpe eine durchsichtige Plastiktüte über den Topf und die Pflanze. Das schafft ein Gewächshausklima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Lüfte die Tüte aber jeden Tag kurz, damit kein Schimmel entsteht.

Sobald du siehst, dass sich oben ein neues Blatt entrollt, hast du es geschafft. Das Gummibaum vermehren war erfolgreich und du hast eine neue, eigenständige Pflanze, die genauso fleißig Schadstoffe filtert wie ihre Mutter. Denn Gummibäume gehören zu den besten luftreinigenden Pflanzen für dein Zuhause.

FAQ: Häufige Fragen zum Gummibaum Vermehren

Wie lange dauert es bis Wurzeln kommen?

Das hängt von der Temperatur und der Jahreszeit ab. Im warmen Frühling kannst du oft schon nach 2 bis 4 Wochen die ersten Wurzeln im Wasserglas sehen. Im Winter kann es deutlich länger dauern. Hab Geduld.

Brauche ich Bewurzelungspulver?

Beim Gummibaum ist das meistens nicht nötig. Der Ficus elastica wurzelt sehr willig. Wenn du es eilig hast oder eine schwierige Sorte vermehren willst, kann das Pulver helfen, aber es geht wunderbar ohne.

Kann ich ein einzelnes Blatt einpflanzen?

Jein. Ein einzelnes Blatt wird oft Wurzeln bilden und überleben. Aber ohne ein Stückchen Stamm mit einem "Auge" (Vegetationspunkt) wird daraus meistens kein neuer Trieb wachsen. Du hast dann ewig nur ein einzelnes Blatt im Topf. Das nennt man einen "Zombie Steckling". Achte also immer darauf, ein Stück Stamm dabei zu haben.

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